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Weiter Mehl aus Jarmen? - Bürgerinitiative stemmt sich gegen Mühlen-Schließung

Jarmen (bw). Die Nordland Mühle in Jarmen macht dicht. Das jedenfalls ist der bereits im September des vergangenen Jahres verkündete Willen des Unternehmens Nordland Mühle Jarmen, einer Tochter der GoodMills Deutschland GmbH mit Sitz in Hamburg. Deren Mutterkonzern sitzt in Wien und ist kaum daran interessiert, welche Auswirkungen eine solche Schließung für die Region bedeutet. 

 

Die Begründung für die Schließung klingt eher hausbacken: „Vor dem Hintergrund eines strukturell schwierigen Marktumfeldes und einem seit Jahren anhaltenden Bäckereisterben haben wir die schwere Entscheidung treffen müssen, unseren Standort in Jarmen im kommenden Jahr und nach einer angemessenen Übergangsfrist stillzulegen“, so ein Unternehmenssprecher. Die Jarmener Mühle ist die letzte große Industriemühle Mecklenburg-Vorpommerns. Und nicht nur das: Sie ist auch nach der Abwicklung des Betonwerkes, dem „Aus“ für die Molkerei und der Schließung der Zuckerfabrik Jarmen das letzte verarbeitende Gewerbe im Ort, welches nun zum 30. September dieses Jahres ebenfalls verschwinden soll. 

 

Das wollen sich zahlreiche Jarmener Bürger so nicht gefallen lassen. Spontan gründete sich eine Bürgerinitiative  gegen die Schließung. „Unser erster Treff war am 11. November des vergangenen Jahres, an dem bereits rund 20 Bürgerinnen und Bürger Jarmens teilnahmen“, erinnert sich Franka Fröhlian, die gemeinsam mit Mario Loth und Judith Logall die Bürgerinitiative ins Leben gerufen hatten. Ein erster Schritt sollte die Aktivierung einer Unterschriftensammlung sein. „Diese Unterschriftensammlung läuft inzwischen sehr erfolgreich - ich hatte auf etwa 1000 Unterschriften gehofft, inzwischen sind es bereits 2800 und zahlreiche Listen sind noch im Umlauf und noch gar nicht ausgewertet“, freut sich Franka Fröhlian. 

 

Der Widerstand gegen die Schließung ist durchaus berechtigt. Nicht nur wegen der 28 vakanten Mitarbeiter, denen Umsetzung oder Entlassung droht. Einen Sozialplan gibt es bisher jedenfalls noch nicht. Es geht auch um die Auswirkungen auf die Zulieferer und Kunden der Mühle in der Region. „Die Nordland Mühlen GmbH gewährleistet die Versorgung mit Weizen- und Roggenmahlprodukten für die Industrie, den Großhandel, für gewerbliche Verwender sowie Bäcker und Konditoren in Mecklenburg/Vorpommern, dem nördlichen Brandenburg, Berlin und dem Großraum Stettin. Auch das hiesige Bäckereihandwerk sowie mein Gasthof beziehen das Mehl von hier“, erklärt Gastwirt Mario Loth. „Künftig soll das Mehl in Hamburg oder Berlin produziert und dann mit Lkw zu den Kunden in Jarmen und Umgebung gekarrt werden. Das ist doch wohl angesichts der derzeitigen Klimadiskussionen überhaupt nicht mehr zu akzeptieren“, macht sich der Gastwirt Luft. 

 

„Gleiches gilt auch für die Landwirte der Region. Sie agieren im Umkreis von 30- bis 40 Kilometern und liefern ihr Getreide an die Jarmener Mühle. Rund 60 000 Tonnen Getreide verarbeitet die 1907 errichtete Mühle jährlich zu Mehl und anderen Mahlerzeugnissen. Nun müssen die Landwirte ihr Getreide zur Verarbeitung nach Hamburg oder Berlin fahren lassen“, ergänzt Franka Fröhlian. 

 

Auch die Mitarbeiter der Kunstmühle Jarmen wollen das „Aus“ für die Mühle nicht tatenlos hinnehmen. Sie haben dem Unternehmen ein Konzept zum Weiterbetrieb der Mühle auf Basis von mehr Regionalität und der Produktion von „Nischenprodukten“ vorgelegt. Eine zweite Beratungsrunde diesbezüglich ist bereits terminiert. Die Mühle als auch die Mitarbeiter sind mit Sicherheit in der Lage dazu. Wie zu erfahren war, ist die Technik auf neuestem Stand und der Mitarbeiterstamm fachlich bestens befähigt. Als Ausbildungsbetrieb konnten zudem schon mehrfach erste Plätze bei Azubi-Wettbewerben errungen werden. 

 

„Der Weiterbetrieb der Kunstmühle ist unser Anliegen. Dafür kämpfen wir und hoffen auf Unterstützung durch die Politik und Kontakte zu Investoren, die sich für die Mühle engagieren wollen“, bringt Franka Fröhlian die Fakten auf den Punkt. Sie gibt zu bedenken, dass es im ganzen Land zunehmend hervorragende Initiativen gibt, die sich mit der Produktion und Vermarktung regionaler Produkte beschäftigen. Die  geplante Schließung der Kunstmühle von der GoodMills Deutschland GmbH konterkariere die Zeichen der Zeit. Kurze Transportwege und regionale Wirtschaftskreisläufe seien das Gebot der Stunde. 

 

Am 11. März wird die Bürgerinitiative beim Wirtschaftsminister des Landes vorstellig, um die Unterschriftensammlung zum Erhalt der Mühle zu übergeben.

 

Jarmen entwickelte sich auf Grund seiner Lage an der Peene zu einem wichtigen Verkehrs- und Handelsknotenpunkt. 1893 wurde der Jarmener Hafen mittels der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn (MPSB) mit Friedland und Anklam verbunden. Von Schmarsow aus wurde Jarmen 1897 an die Demminer Kleinbahn Ost (DKBO) angeschlossen, deren Strecke von Demmin nach Altentreptow verlief.  Über die Greifswald–Jarmener Kleinbahn (GJK) , die eine eigene Eisenbahnbrücke über die Peene besaß, konnten Greifswald und Züssow erreicht werden. Die heutige Nordland Mühle wurde 1907 am Hafen als Jarmener Kunstmühle errichtet. Den Namen „Kunstmühle“ verdankt sie ihrem Antrieb mittels künstlicher, sprich elektrischer Energie. 1921 erwarb der Unternehmer Kurt Kampffmeyer die Jarmener Mühle – zusätzlich zu seinen Betrieben in Berlin, Potsdam, Mannheim, Köln und Hameln – und baute schließlich die größte Mühlengruppe in Deutschland auf. 

 

Fotos:  B. Wüstemann

 

Bürgerinitiative 

„Rettet die Jarmener Mühle“  

Zum Jägerstübchen 

Dr.-Georg-Kohnertstraße 23

17126 Jarmen

www.facebook.com/BI.Jarmener.Muehle

 

 

 




    letzte Änderung: - 29.01.2020 08:15

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